Protokolltheater / Versuch 229 / lokal

The Formalist

Eine fiktive Bewegungspartitur für vier geometrische Figuren: Befehle werden gesammelt, geprüft und ohne Zeitsteuerung auf einer begrenzten Rasterbühne ausgeführt.

Eigenständige Fiktion: „The Formalist“ bezeichnet auf dieser Seite ausschließlich ein erfundenes Bewegungstheater-Experiment. Figuren, Regeln, Probenprotokolle, Begriffe und Abläufe wurden für dieses lokale Labor neu geschrieben und behaupten nichts über ein reales Werk oder eine reale Person.

Bühnenapparat F-04

Wähle eine Figur, stelle einen Bewegungsbefehl in die Warteschlange und führe ihn einzeln oder gesammelt aus. Die Maschine begrenzt Positionen, Kollisionen und die Länge des Protokolls.

Raster 7 × 5 / Vorderkante unten
Eintritt Formation Kontrapunkt Finale
X 0–6 Y 0–4
FOLIO / 02

Klauseln der erfundenen Partitur

Die folgenden Regeln erklären die lokale Maschine. Sie sind keine Theoriegeschichte, keine Werkinterpretation und keine Beschreibung einer bestehenden Inszenierung.

  1. Auswahl vor Bewegung

    Jeder Richtungsbefehl gehört der Figur, die beim Vormerken aktiv ist. Ein späterer Figurenwechsel verändert bereits gespeicherte Befehle nicht.

  2. Begrenztes Feld

    Die Koordinaten bleiben zwischen X 0–6 und Y 0–4. Ein Schritt über den Bühnenrand wird verworfen und protokolliert.

  3. Keine Doppelposition

    Zwei sichtbare Figuren dürfen nicht dasselbe Rasterfeld besetzen. Die Maschine lehnt die zweite Bewegung ab, statt Figuren zu stapeln.

  4. Drehung ohne Ortswechsel

    Links- und Rechtsdrehung verändern ausschließlich die Orientierung. Vier aufeinanderfolgende Vierteldrehungen ergeben wieder den Ausgangswert.

  5. Pause als Zeichen

    Der Pausenbefehl bewegt nichts, zählt aber als ausgeführter Schritt. Dadurch kann das Protokoll bewusste Stillstände von leeren Queues unterscheiden.

  6. Sichtbarkeit umschalten

    M wechselt eine Figur zwischen voller und gedämpfter Darstellung. Eine gedämpfte Figur behält Position, Orientierung und Kollisionswirkung.

  7. Endliche Warteschlange

    Höchstens zwölf Befehle können gleichzeitig vorgemerkt werden. Weitere Eingaben bleiben ohne Wirkung, bis mindestens ein Platz frei wird.

  8. Deterministische Reihenfolge

    Die Maschine arbeitet streng vom ersten zum letzten Eintrag. Es gibt keine Zufallswahl, keine Uhrzeit und keinen parallelen Ausführungspfad.

  9. Phasen nach Schritten

    Der sichtbare Phasenname wechselt nach vier, acht und zwölf Ausführungen. Der Wechsel ordnet nur das lokale Protokoll und startet keine Animation.

  10. Prüfung als Momentaufnahme

    Eine Regelprüfung liest nur die aktuelle Formation. Sie ändert weder Koordinaten noch Warteschlange und speichert kein dauerhaftes Ergebnis.

Notation

Alpha / Kreis

Die cyanfarbene Kreisfigur beginnt links unten. Der Buchstabe A bleibt auch nach Drehungen lesbar, weil er Teil der Figurenfläche ist.

Beta / Quadrat

Die signalrote Quadratfigur beginnt rechts unten. Ihre klare Kante macht Vierteldrehungen visuell absichtlich kaum unterscheidbar.

Gamma / Klammer

Die violette Figur besitzt zwei unterschiedliche Rundungen. Dadurch ist ihre lokale Orientierung unmittelbar am Umriss zu erkennen.

Delta / Winkel

Die amberfarbene Figur spiegelt Gammas Grundform. Gemeinsam können beide eine offene oder geschlossene Klammerstellung bilden.

N / S / W / O

Die vier Buchstaben verändern jeweils genau eine Koordinate um eins. Norden reduziert Y, Süden erhöht Y, Westen reduziert X und Osten erhöht X.

L / R / M

Die kleinen Tasten ergänzen Drehung und Dämpfung. Sie liegen bewusst eng, während ihre zugänglichen Namen den jeweiligen Befehl ausschreiben.

Linienregel

Eine waagerechte Linie gilt als erfüllt, wenn alle vier Figuren denselben Y-Wert besitzen und auf vier verschiedenen X-Positionen stehen.

Diagonalregel

Die fallende Diagonale verlangt bei aufsteigend sortierten X-Werten auch aufsteigende Y-Werte. Abstände dürfen unterschiedlich groß sein.

Randpunktregel

Für vier Randpunkte muss jede Figur mindestens eine Außenkante berühren. Ecken sind zulässig, aber keine besondere Voraussetzung.

Abstandsregel

Der Mindestabstand gilt, wenn jedes Figurenpaar in Manhattan-Distanz wenigstens zwei Rastereinheiten voneinander entfernt steht.

Protokollnummer

Die laufende Nummer entsteht aus der Anzahl bereits sichtbarer Einträge. Sie ist weder Uhrzeit noch dauerhaft stabile Kennung.

Maschinenreset

Das rote runde Steuerelement stellt Ausgangspositionen, Queue und Schrittzähler wieder her. Es löscht keine Daten außerhalb dieser Seite.

Beispiel eines fiktiven Probengesprächs

Operator

Alpha erhält zwei Schritte nach Osten; Beta wartet auf der Gegenposition.

Protokoll

Der erste Schritt ist frei. Der zweite würde Alpha noch nicht mit Gamma überlagern.

Beobachtung

Die sichtbare Symmetrie ist eine Gestaltungsentscheidung, kein automatisches Regelziel.

Operator

Gamma dreht rechts, Delta dreht links. Beide Positionen bleiben unverändert.

Protokoll

Nach vier Ausführungen wechselt die Phasenlampe von Eintritt zu Formation.

Prüfung

Die Linienregel scheitert, solange die Figuren unterschiedliche Y-Werte besitzen.

Abschluss

Das Ergebnis bleibt als momentaner Bühnenstand sichtbar und wird nicht gespeichert.

Form folgt hier nur der lokalen Regel

Das Labor erzeugt keine Aufführung, keine Interpretation und kein Archiv. Es demonstriert lediglich eine endliche, nachvollziehbare Befehlsmaschine, deren gesamter Zustand beim Schließen des Dokuments verschwindet.

Protokoll der ausgemusterten F-01

Archivmarke der Maschinenakte

Maschinenpause

Die kurze Zeile wurde im Altprotokoll nur typografisch als Abschnittskopf notiert.

Schritt 01 · Kreis setzen
Schritt 02 · Winkel drehen
Schritt 03 · Position halten
Schritt 04 · Bühne leeren