Eine Ausstellung planen, bevor es Exponate gibt
Das Labor beginnt absichtlich nicht mit einer Lebensgeschichte. Es beginnt mit der Beobachtung, dass ein Name beim Lesen bereits Erwartungen auslöst: Er klingt nach mehreren Stimmen, nach Herkunftsmarkierungen und nach einem langen Eintrag auf einem schmalen Schild. Diese Wirkung darf untersucht werden, ohne sie für historische Kenntnis zu halten.
Die erste Aufgabe lautet deshalb, Fragen zu ordnen. Was müsste ein Publikum wissen, um einem belegten Gegenstand später kritisch zu begegnen? Welche Unsicherheiten gehören sichtbar an die Wand? Wo sollte eine Leerstelle bleiben, statt sie mit einer gefälligen Erzählung zu füllen?
Der Raumplan arbeitet mit vier Funktionen: Auftakt, Kontext, Prüfung und Rückfrage. Keine Funktion legt einen Inhalt fest. Sie beschreibt lediglich, was Besucherinnen und Besucher an einer Stelle tun können sollen: wahrnehmen, vergleichen, zweifeln oder eine eigene Lesart festhalten.
Auch die hier entworfenen Objektkarten bleiben Attrappen. Ein gefalteter Plan, eine leere Vitrine oder eine Hörstation sind gestalterische Proben, keine Nachbildungen überlieferter Dinge. Ihre Aufgabe besteht darin, Abstände, Blickachsen und Textmengen testen zu können.