01

Vier Sprünge

Rechnen wird zur Maschine

Die Geschichte des Rechners ist keine gerade Linie. Sie verläuft von Merksteinen über fein verzahnte Tischgeräte zu Relais und elektronischen Schaltungen. Jede Stufe übersetzt eine abstrakte Rechenregel in einen kontrollierbaren physischen Zustand.

vor 1600

Stäbe und Linien

Rechenbretter ordnen Marken nach Stellenwerten. Das Ergebnis liegt nicht in einem Gerät verborgen, sondern bleibt als verschobene Anordnung sichtbar. Der Mensch führt jeden Schritt aus und kontrolliert zugleich die Regel.

1640er

Zahnräder übertragen

Frühe mechanische Maschinen koppeln Ziffernräder. Dreht eine Stelle von neun auf null, bewegt ein Übertrag die nächsthöhere Stelle. Addition wird damit zu einer wiederholbaren Bewegung im Gehäuse.

1890er

Karten steuern Abläufe

Gelochte Karten trennen Daten von Maschine und Bedienperson. Ein Muster aus Löchern entscheidet, welche Kontakte schließen. Große Mengen gleichartiger Angaben lassen sich dadurch systematisch sortieren und zählen.

1940er

Relais schalten Logik

Elektrische Schalter kennen zwei stabile Zustände. Viele davon bilden Register und Rechenwerke. Dezimalziffern werden nun als Folgen aus Null und Eins dargestellt, verarbeitet und wieder lesbar ausgegeben.

02

Micro-App · Dezimalwerk

Eine Staffelwalze in Gedanken drehen

Gib zwei Zahlen ein und bestimme, wie oft die Kurbel gedanklich gedreht wird. Die Simulation bleibt auf vier Ergebnisstellen begrenzt und zeigt neben dem Resultat auch Überträge und mechanische Schritte.

Rechenart
Kurbelübersetzung
2:1
Ergebniswerk · vier Stellen
0
1
6
5
Kurbelwege 14
Überträge 1
Bereich 0000–9999
137 + 28 = 165 Bei Übersetzung 2:1 entsprechen 28 Einzelschritte 14 Kurbelwegen.
03

Bauteile

Was im Gehäuse zusammenarbeitet

Eine Rechenmaschine muss Zahlen einstellen, Zustände behalten, Rechenschritte koppeln und Ergebnisse anzeigen. Die folgenden Baugruppen erfüllen diese Aufgaben ohne Bildschirm und ohne verborgenen Programmcode.

A–01

Einstellwerk

Schieber oder Tasten legen den ersten Zahlenwert fest. Jede Position steht für eine Dezimalstelle. Eine Sperre verhindert Zwischenstellungen, in denen die Maschine keine eindeutige Ziffer erkennen könnte.

A–02

Staffelwalze

Eine Walze trägt unterschiedlich lange Zahnreihen. Je nach Einstellung greifen bei einer Drehung null bis neun Zähne in das Ergebnisrad und übertragen damit genau die gewählte Ziffer.

A–03

Zehnerübertrag

Wenn ein Rad die Null passiert, löst es einen zusätzlichen Schritt auf der Nachbarstelle aus. Diese kurze Bewegung ist mechanisch anspruchsvoll, weil mehrere Überträge gleichzeitig auftreten können.

A–04

Schlitten

Für Multiplikationen verschiebt der Schlitten das gesamte Zählwerk um Stellen. Eine Kurbelumdrehung kann dadurch Einer, Zehner oder Hunderter addieren, ohne dass die Grundmechanik verändert wird.

A–05

Löschhebel

Der Hebel setzt alle Ergebnisräder kontrolliert auf null zurück. Er muss jede Stelle erreichen, ohne den Eingabewert zu verändern, damit die nächste Rechnung mit derselben Zahl beginnen kann.

A–06

Sichtfenster

Eine schmale Öffnung zeigt jeweils nur die gültige Ziffer. Die übrigen Zahlen eines Rades bleiben verdeckt. So verwandelt das Fenster eine Drehposition in ein eindeutig lesbares Ergebnis.

04

Micro-App · Binärregister

Acht Schalter, zweihundertsechsundfünfzig Zustände

Jede grüne Stelle zählt, jede dunkle Stelle bleibt null. Schalte die acht Registerzellen um und beobachte, wie Binärzahl, Dezimalwert und hexadezimale Kurzform gleichzeitig entstehen.

128 64 32 16 8 4 2 1
0
0
0
0
0
0
0
0

Ein eingeschalteter Schalter addiert sein Stellengewicht. Die Zellen reagieren absichtlich nur auf Zeigerklicks.

Registerausgabe 00000000
Dezimal
0
Hexadezimal
00
Gesetzte Bits
0 von 8
05

Vergleich

Drei Rechner, drei Arten von Gewissheit

Mechanische, elektromechanische und elektronische Rechner lösen ähnliche Aufgaben mit grundverschiedenen Trägern. Ein Zahnrad zeigt seinen Zustand durch Lage, ein Relais durch Kontakt und ein Transistor durch elektrische Spannung.

Bauart Zahlendarstellung Typische Bewegung Stärke Grenze
Mechanisch Position von Rädern und Schiebern Kurbel, Zahnrad, Walze Zustand direkt sichtbar und ohne Strom haltbar Reibung, Gewicht und begrenzte Geschwindigkeit
Elektromechanisch Offene oder geschlossene Relaiskontakte Magnetisch bewegte Schaltzungen Automatische Folgen aus klar getrennten Schritten Hörbares Schalten und mechanischer Verschleiß
Elektronisch Spannungsbereiche in logischen Schaltungen Keine makroskopisch sichtbare Bewegung Sehr viele Operationen auf kleinem Raum Zustände sind ohne Messung oder Anzeige unsichtbar
06

Begriffe am Werktisch

Sechs Wörter für das Innenleben

Die Sprache alter und neuer Rechner verrät, welche Vorstellung jeweils im Vordergrund steht: Bewegung, Speicherung, Steuerung oder die sichtbare Ausgabe eines Ergebnisses.

Rechenwerk

Die Baugruppe, die Operationen wie Addition ausführt. Im mechanischen Gerät besteht sie aus Walzen und Rädern, im elektronischen Rechner aus logischen Schaltungen.

Register

Ein kleiner Speicher für einen Zahlenwert. Seine Stellen müssen stabil bleiben, bis ein nächster Schritt sie liest, verschiebt oder überschreibt.

Übertrag

Der Schritt zur nächsthöheren Stelle, sobald eine Stelle ihren Zahlenbereich verlässt. Im Dezimalsystem folgt auf neun die Null und ein zusätzlicher Zehner.

Programm

Eine geordnete Folge von Anweisungen. Lochkarten, Steckfelder und gespeicherte Befehle sind verschiedene Wege, diese Reihenfolge von der eigentlichen Maschine zu trennen.

Takt

Ein gemeinsames Zeitsignal, das viele Einzelschritte ordnet. Mechanische Geräte erhalten ihren Takt oft von der Handkurbel, elektronische Schaltungen von einem regelmäßigen Impuls.

Ausgabe

Die Form, in der ein Ergebnis wahrnehmbar wird: Ziffernrad, Papierstreifen, Lampe oder Bildschirm. Ohne Ausgabe bleibt der berechnete Zustand im Inneren verborgen.

Die blasse Archivmarke kennzeichnet einen nicht abgeglichenen Rechenweg.

Im Werkstatttext steht vor dem verlinkten Register und danach noch eine längere technische Erläuterung.

Der historische Ausgabestreifen ist breiter als sein Sichtfenster und besitzt keinen erreichbaren Tastaturfokus. Er setzt sich weit über den sichtbaren Rand fort.