Mühlenthal wird hier als modellhafte Kulturlandschaft erzählt. Die Daten
sind Teil dieses eigenständigen Talbuchs: Sie zeigen, wie Wasserführung,
Handwerk, Transport und spätere Erholung dieselbe schmale Topografie immer
neu gelesen haben könnten.
um 1580
Ein Wehr, zwei Mahlgänge
Der obere Bach wird über einen hölzernen Kasten auf ein oberschlächtiges
Rad geführt. Roggen und Dinkel kommen auf Saumpfaden aus den Höhenlagen.
Gemahlen wird nach Wasserstand, nicht nach Uhrzeit; trockene Wochen
verlängern die Warteschlange am schmalen Vorplatz.
um 1845
Der Talweg wird zur Achse
Ein befestigter Fahrweg verbindet Kornmühle, Ölstampfe und Sägewerk.
An den Kreuzungen entstehen kleine Lagerplätze für Stämme, Mehlsäcke
und Ersatzsteine. Das Bachbett bleibt Arbeitsraum: Stege sind versetzbar,
Ufer werden nach jedem Hochwasser neu befestigt.
um 1912
Kraft wird übertragbar
Eine Turbine ersetzt an der mittleren Mühle das Rad. Riemen treiben
Maschinen in getrennten Räumen an, später speist ein kleiner Generator
Werkstattlampen. Der Bach liefert weiterhin die Energie, doch sein Lauf
verschwindet hinter Rohren, Gittern und gemauerten Schächten.
seit 1978
Spuren werden lesbar
Nach Aufgabe der letzten gewerblichen Anlage werden Gräben, Fundamentreste
und Obstwiesen kartiert. Ein Rundweg verbindet keine vollständigen Museen,
sondern unterschiedliche Grade des Verschwindens. Gerade unscheinbare
Geländekanten erklären, wie dicht Arbeit und Wasser verbunden waren.